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Angedacht

Monatsspruch für Juni 2016

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Apostelgeschichte Kapitel 5, Vers 29

Liebe Leser,

ich stelle mir gerade vor, ich wäre ein Angehöriger des ganz jungen Volkes Israel, das gerade die fantastische Rettung aus der ägyptischen Sklaverei hinter sich hat, von Gott in einer Wolken- und Feuersäule durch die Wüste geführt wird, Manna, Wachteln und Wasser von Gott bekommt – und nach vielen Tagen kommt Mose vom Berg Sinai und hat die 10 Gebote auf den Steintafeln dabei. Von meinem heutigen Standpunkt aus denke ich, man hätte damals gar nicht anders gekonnt als Gott zu gehorchen. Wir wissen aber leider, dass das nicht so war: Die Israeliten haben sich bevormundet gefühlt, gegen Gott aufgelehnt und trotz schrecklicher Konsequenzen an ihrer Sturheit festgehalten.

Ganz anders die Apostel. Sie haben ebenfalls eine bewegte Geschichte mit Gott hinter sich. Sie sind Zeugen der Auferstehung und haben den Heiligen Geist und die Gründung der ersten christlichen Gemeinde mit 3000 Taufen erlebt. Bei ihnen steht gar nicht so sehr das Gehorchen im Vordergrund, sondern die Begeisterung. Gehorsam, das ist aber die Vokabel, die die Leute im Hohen Rat besser verstehen; unter ihnen sind viele, die als Pharisäer versuchen, Gott in großer Unterwürfigkeit zu dienen. Leider machen sie durch diese Unterwürfigkeit auch viel falsch, weil sie Gottes Liebe und persönliche Zuwendung nicht verstanden und wohl auch nicht erlebt haben. Sie verbieten den Aposteln, von Jesus zu reden.

Beim ersten Verbot antworten sie noch: „Urteilt selbst, ob es richtig ist, euch mehr zu gehorchen als Gott.“ Als sie das zweite Mal festgenommen werden, sehen sie ein, dass der Rat nicht fähig war, dieses Urteil zu treffen; und so geben sie auf das erneute Predigtverbot selbst die Antwort: „Man muss (wörtlich eher: Man sollte) Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Mit Gehorsam haben nicht nur Kinder Schwierigkeiten, sondern auch Erwachsene. Als deutsches Volk haben wir erlebt, wohin einen falscher blinder Gehorsam führen kann, und wir haben uns eher der Gegenbewegung angeschlossen: Keiner darf uns reinreden, wir tun, was wir wollen.

Jesus lädt uns ein, ihm gehorsam zu sein, weil er kein Diktator ist, kein Begrenzer von Lebensfreude oder irgendein missgünstiger Herrscher mit undurchsichtigen Absichten. Nein, wir dürfen das tun, was er sagt, weil er uns liebt – und weil wir ihn lieben, weil wir begeistert sind von ihm, weil er uns gerettet hat, weil er uns das Wollen und Vollbringen schenkt.

Als die Jünger vor dem Hohen Rat stehen, da fordern sie den Gehorsam Gott gegenüber nicht von anderen ein; nein, sie sagen diesen Satz erst einmal nur für sich selbst: „Wir haben erkannt, dass es besser ist, dem Gott, dem wir vertrauen, mehr zu gehorchen als Menschen.“

Die Folge ist keine Anarchie; der Staat ist ja zur Regelung der Verhältnisse da. Nur wo staatliche Regelungen dem entgegenstehen, was Jesus uns sagt, da wird diese Entscheidung wieder relevant. Christen in Nordkorea oder vielen islamischen Ländern erleben es bis heute, dass sie diese Entscheidung treffen müssen. Lasst uns sie nicht vergessen, wenn wir beten.

Einen gesegneten und hoffentlich sonnigen Juni!

Thomas Schulze

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