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Angedacht

Angedacht für August und September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel.

Haggai Kapitel 1, Vers 6

Liebe Leser*innen,

Als ich diesen Spruch gelesen habe, musste ich mir erstmal deutlich machen, aus welcher Zeit er stammt. Er könnte doch so aktuell sein.

Die Recherche ergab dann, dass der Text ungefähr 2540 Jahre alt ist. Er stammt aus einer Zeit als die Israeliten aus Babel nach Jerusalem zurückgekehrt waren und dort den Tempel wieder aufbauen sollten. Der Prophet sagte: Es gibt so viel Mangel im Land, weil ihr die falschen Prioritäten setzt.

Auch wir essen und fühlen uns trotzdem nicht satt, wir haben genug (oder manchmal zu viel) zum Anziehen, aber echte Wärme entsteht nicht.

Nun ist es ja grundsätzlich nicht verkehrt zu essen, siehe auch den Artikel zum Sommerfest, an dem ich aus Zeitgründen leider nicht teilnehmen konnte. Gerade so ein gemeinsames Essen kann ja auch dafür sorgen, dass wir uns nicht nur satt, sondern auch wohl fühlen.

Und doch ist es auch bei mir zu oft so, dass ich das umfangreiche Essen, die jederzeit verfügbaren Getränke und auch die natürlich vorhandene Kleidung als selbstverständlich hinnehme und gar nicht mehr viel darüber nachdenke. Ich denke, es ist notwendig, dass wir uns unserer Situation und unserer günstigen Lebensumstände, die durchaus verschieden sein können, bewusst werden.

Wir bitten im Vaterunser: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Aber zweifeln wir wirklich daran, dass wir heute nicht genug zu essen haben. Sind wir uns bewusst, dass es nicht allen Menschen auf der Welt so gut geht. Gerade in diesen Zeiten, in denen durch die Überschwemmungen deutlich geworden ist, dass auch hier bei uns in Deutschland die so als sicher gewohnten Umstände von einem Moment auf den anderen verschwinden oder Weggespült werden können, zeigen, dass es sich bei der Bitte im Vaterunser nicht um eine Phrase handelt, sondern, dass auch wir uns plötzlich in einer Situation wiederfinden können, in der diese Bitte existentiell werden kann. Lasst uns unsere so gute Lebenssituation deshalb nicht als selbstverständlich nehmen, sondern uns bewusst machen, dass sie uns Tag für Tag geschenkt wird. Und ich denke, wenn wir uns dessen bewusst machen, dann haben wir auch wieder das Gefühl satt zu sein und Wärme zu spüren in der damit verbundenen Dankbarkeit.

Und zum Schluss noch ein paar Gedanken zu dem Satz über das Geld. Ich glaube nicht, dass uns dieser Vers sagen soll, dass es nicht gut ist Geld zu verdienen. Die meisten von uns gehen dafür jeden Tag arbeiten oder haben in ihrem Leben viel gearbeitet und deshalb ist es bestimmt nicht verkehrt, dafür eine angemessene Bezahlung zu bekommen. Aber auch hier gilt: machen wir uns Gedanken, wie wir mit dem Geld umgehen. Lasst es uns nicht in löchrige Beutel tun, sondern versuchen sinnvoll damit umzugehen. Dann kann darin auch viel Segen liegen.

Euch allen einen gesegneten August und September!

Matthias Heidebrecht

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