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Angedacht

Dann werden Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen, der Leopard wird beim Ziegenböckchen liegen. Kälber, Rinder und junge Löwen weiden zusammen, ein kleiner Junge wird sie hüten.

Jesaja Kapitel 11, Vers 16

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Ist es wirklich dieses Bild, das Jesaja von Jesus zeichnet, das unsere Sehnsüchte, die wir mit Weihnachten in Verbindung bringen, zum Ausdruck bringt?

Was ist das Besondere an Weihnachten, dass jedes Jahr wieder in dieser dunklen Jahreszeit alle in eine festliche Stimmung verfallen oder zumindest versuchen eine solche zu inszenieren? Für rund 30 Tage bestimmt dieses Weihnachtsfest das Leben von uns und so vielen Menschen um uns herum. Liegt es daran, dass kein anderes Fest unsere tief empfundenen Sehnsüchte so berührt wie Weihnachten.

Wir sehnen uns nach einem „heilen“ Leben ohne Streit. Dies wird in dem Bild, das Jesaja im Monatsspruch zeichnet, sehr drastisch zum Ausdruck gebracht. Wolf und Lamm, Leopard und Ziegenbock, größere Widersprüche scheint es kaum geben zu können. Ganz so drastisch, denke ich, sieht es in unserem Leben nicht aus. Und dennoch spüren auch wir, dass unser Leben und das Leben um uns herum nicht immer so friedlich ist, wie wir es uns wünschen.

Aber gerade in dieser Weihnachtszeit möchten wir unbedingt, dass es anders ist. Ist diese Weihnachtszeit deshalb vielleicht für viele Menschen auch so eine stressige Zeit? Das Weihnachtsfest soll perfekt sein. Die Geschenke sollen perfekt sein. Die Familie kommt zusammen und alle Probleme, alle Differenzen, die es im Laufe des Jahres gegeben hat, sollen auf einmal verschwunden sein und „alle haben sich lieb“.

Wir sehnen uns aber gerade in dieser Zeit auch noch nach mehr: einem Leben, in dem auch die Schwächeren und Langsameren eine Chance haben; einem Leben, in dem Unterschiede zwischen den Menschen keine Rolle mehr spielen; einem Leben, in dem nicht der äußere Anschein wichtig ist, sondern in dem sich die Menschen wirklich miteinander beschäftigen.

Warum fokussieren wir uns vor allem in dieser nun beginnenden Advents- und Weihnachtszeit so sehr auf diese Sehnsüchte? So sehr, dass viele Menschen gerade in dieser Zeit einen enormen Stress empfinden, um diesen Vorstellungen gerecht zu werden oder weil sie merken, dass die hohen Erwartungen, die damit verbunden sind, nicht erfüllt werden können.

Begreifen wir Weihnachten stattdessen doch als Chance statt als Verpflichtung. Gott schickt seinen Sohn auf unsere Welt und eröffnet uns damit die Möglichkeit für einen Neuanfang.

Diese Sehnsüchte nach einem Neuanfang in ein „besseres“ Leben spiegeln sich in dem Kind in der Krippe. Er ist der von Jesaja angekündigte Junge, der „Rinder und Löwen zusammen hüten kann“. Er weist uns den Weg in ein friedliches Miteinander, aber wir müssen auch wollen. Wenn wir bereit sind, dieses Geschenk anzunehmen, dann wird Weihnachten zu dem Fest, das wir uns alle wünschen. Es geht nicht um die Geschenke, die wir uns gegenseitig zukommen lassen. Es geht um das große Geschenk, das Gott uns mit dem Kind in der Krippe gewährt hat.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!

Matthias Heidebrecht

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