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Angedacht

Monatsspruch für September 2020

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

2. Korinther Kapitel 5, Vers 19

Liebe Leser,

eine spontane Reaktion auf den Monatsspruch könnte lauten: Jo, das ist doch super. Gott hat Jesus auf diese Welt geschickt, auf dass die Welt mit ihm versöhnt ist. Also ist doch alles gut!

Die Realität sieht allerdings oft genug gar nicht so gut aus. Von Versöhnung ist in dieser Welt oft genug so rein gar nichts oder doch zumindest wenig zu spüren. Und von einer Versöhnung der Welt mit Gott dann noch viel weniger.

Nun wäre es leicht zu lamentieren, dass immer weniger Menschen auch bei uns in Deutschland sich noch für Gott interessieren oder wirklich eine Versöhnung mit Gott anstreben. Wir wissen das und beten dafür, dass sich dies wieder ändert. Aber wie so oft, denke ich, sollten wir uns zunächst Gedanken darüber machen, was uns der Monatsspruch ganz persönlich sagen kann. In der Hoffnung für alle lautet der Monatsspruch: Gott ist durch Christus in diese Welt gekommen und hat Frieden mit ihr geschlossen, indem er den Menschen ihre Sünden nicht länger anrechnet.

Ganz spontan ist mir das Lied: „Wie ein Fest nach langer Trauer“ eingefallen, (übrigens die Nr. 371 in unserem Gesangbuch) dessen erste Strophe ich hier kurz wiedergeben möchte:

Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein offnes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht, wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein ich-mag-dich-trotzdem-Kuss. So ist Versöhnung.

Das klingt auf den ersten Blick absolut vielversprechend, sehr viel Optimismus. Aber ich glaube, das ist zu kurz gegriffen, denn der Text beinhaltet auch die dunkle Seite, die lange Trauer, die Mauer, das lange Schweigen.

Versöhnung ist also ein Prozess, dem auch immer etwas Schweres vorausgeht. Es ist eben nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen. Versöhnung setzt zunächst auch eine große Aufrichtigkeit voraus. Aufrichtigkeit zum einen sich selbst gegenüber, was bedeutet, dass ich mir meiner Fehler auch bewusst werde. Mein (Fehl)verhalten hat Konsequenzen und so manches, von dem ich vielleicht denke, warum passiert dies jetzt ausgerechnet mir oder warum verhält sich jemand mir gegenüber so schlecht, basiert am Ende auf meinem eigenen Verhalten. Da lohnt es sich selbst und sein Verhalten durchaus auch mal kritisch zu reflektieren. Wenn es dann dabei nicht bleibt, sondern wir vor Gott dazu stehen und um Vergebung bitten, so bin ich sicher, dass Gott immer wieder bereit ist zu vergeben und sich mit uns zu versöhnen. Aufrichtigkeit bedeutet aber auch, die Bereitschaft selbst vergeben zu können. Das ist mehr als ein „Schwamm drüber“. Das bedeutet auch auf den anderen zuzugehen und nicht im Hinterkopf zu behalten, was er oder sie, vielleicht auch nur in unseren Augen, falsch gemacht hat.

Dies beinhaltet auch die Fortsetzung des Monatsspruchs in meinen Augen: „Gott hat uns dazu bestimmt, diese Botschaft der Versöhnung in der ganzen Welt zu verbreiten.“

Also sollten wir doch ruhig mal versuchen, die Versöhnung, die wir durch Jesus erfahren, auch als Botschafter in die Welt zu tragen. Damit die Menschen um uns herum auch merken, dass sie sich mit uns versöhnen können. Auf dass dadurch vielleicht auch ein kleines Stück dazu beigetragen wird, dass sich irgendwann vielleicht doch die Welt mit Gott versöhnt.

Matthias Heidebrecht

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