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Angedacht

Monatsspruch für April 2016

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.

Lukas Kapitel 24, Verse 5-6

Liebe Leser,

diesen Satz aus dem Monatsspruch kennen wir: den sagen die beiden Engel am leeren Grab der Gruppe von Frauen, die sich am Ostermorgen traurig auf den Weg zum Grab machen, um Jesus die letzte Ehre zu geben, indem sie ihn einbalsamieren, also konservieren.

Dieser Ruf der Engel hat allerdings etwas Engel-Untypisches. Wenn Menschen erschrecken, die sie sehen, heißt es normalerweise als Erstes: „Fürchtet euch nicht!“. Trost gibt es hier allerdings gar nicht, zumindest ist er anfangs nicht als solcher erkennbar. Vielmehr klingt es fast nach einer Rüge, einem Tadel: Was wollt ihr hier? Wisst ihr nicht, dass Jesus auferstanden ist? Habt ihr ihm etwa nicht geglaubt? Dass ihr mit den Ölen und Tüchern hier seid, zeigt, dass ihr völlig auf dem falschen Weg seid!

Wie oft sind wir auf dem falschen Weg, auch wenn wir glauben, es würde Jesus ehren? Immer wieder haben Christen in dem Willen, Gott Ehre zu machen, die falschen Dinge angepackt. Kriege, Kirchenspaltungen, Not und Leid sind daraus entstanden, und oft genug auch ganz persönliche Not. Die ersten Mönche wollten sich den Lastern dieser Welt (und der Kirche) mit persönlichem Einsatz entgegenstellen, und viele haben unter ihren eigenen strengen Regeln, von Fasten, Ehelosigkeit und Entsagung, sehr gelitten. Andere leiden darunter, dass in Gemeinden Menschen, die das Ziel „Gottes Ehre“ zu ihrem persönlichen Kampf gemacht haben, über das Ziel hinausschießen.

Wieder andere finden in der Theologie und vielen Büchern, andere in Konferenzen oder Bibel-TV ihr persönliches Steckenpferd und vergessen dabei, dass es als erstes darum geht, Jesus zu glauben und zu vertrauen – und mit ihm direkt den Kontakt zu suchen, anstatt über Medien, Bücher, Wissen und Frömmigkeitsstile.

Wir sollen den Lebenden nicht bei den Toten suchen. Jesus ist noch lebendiger als wir ihm manchmal zugestehen. Die Engel verzichten auf das „Fürchte dich nicht“, weil es hier durchaus erlaubt ist, auch mal vor Ehrfurcht zu zittern, wenn die Nachricht erschallt, dass Jesus nicht tot ist, sondern lebt. Dass das natürlich für die, die ihn lieben, eine kaum fassbare Freudenbotschaft ist – das ist ja wohl auch klar, und die begeisterte Reaktion der ersten Zeuginnen zeigt das ja dann auch.

Nein, vielleicht ist es doch kein Tadel, den die Engel da von sich geben. Aber eine ernstgemeinte Erinnerung angesichts der Freudenbotschaft, dass Jesus lebt: Rechnet doch mit ihm! Und ehrt ihn am Besten dadurch, dass ihr euch über seinen Sieg freut und begeistert von ihm erzählt! Und nicht, indem ihr versucht, ihn einzubalsamieren. Nein, einbalsamiert oder konserviert werden – das muss unser Glaube wahrlich nicht. Er darf jeden Tag neu von der Freudenbotschaft leben – und von der Begegnung mit dem Herrn selbst.

Einen gesegneten Frühling – und ein gesegnetes Osterfest!

Thomas Schulze

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