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Angedacht

Monatsspruch für März 2016

Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.

3. Moses Kapitel 19, Vers 32

Liebe Leser,

dass man respektvoll mit einer älteren Person umgehen sollte, das haben die meisten sicher in der Schule gelernt. Im Bus einem älteren Herrn Platz machen oder einer älteren Dame über die Straße helfen. Die Bibel ist ihrer Zeit ja immer ein Stück voraus und sagt uns, was gut und richtig ist.

Ich bin als Junge oft Bus gefahren, da meine Musikschule ein paar Kilometer von zu Hause weg war. Da saß ich ziemlich weit vorn auf einem Platz, der nah beim Busfahrer war, ich konnte ihm gut beim Fahren zusahen und war auch etwas sicherer – in den Bus sind ab und zu Betrunkene eingestiegen. Der Bus war fast leer und strotzte nur so vor leeren Plätzen. Ein älterer Herr kam und schimpfte mich unfreundlich aus, dass ich nicht gleich aufgesprungen war. Er wollte eigentlich keinen Platz, so scheint mir das heute – sondern nur der Jugend mal zeigen, was sich gehört. An einem anderen Tag schrie mich von Weitem eine ältere Dame an, ich solle ihr gefälligst über die Straße zur Bushaltestelle helfen. Nach vollbrachter Tat (gar nicht so einfach für einen 8-jährigen) gab es keinen freundlichen Blick und kein Danke.

Inzwischen gehöre ich auch nicht mehr gerade zur Jugend und schüttle auch manchmal den Kopf, wenn ein Schüler mit dem festen Blick aufs Handy achtlos eine Straße überquert oder unbedacht jemanden anrempelt. Ts, ts, ts, diese Jugend von heute!

Auf der anderen Seite weiß ich inzwischen, dass man von Älteren durchaus etwas lernen kann. So manche Lebenserfahrung haben sie mir voraus, von der ich ebenso lernen kann. Und ein Gespräch, bei dem jemand mal seine Lebensgeschichte erzählt, lässt einen weiser und verständnisvoller nach Hause gehen. Ja, es lohnt sich, das Alter zu ehren. Das bekommt das Volk Israel gesagt, gleichzeitig mit vielen anderen Anweisungen, wie z.B., dass man Fremde genauso wie Einheimische lieben soll, was nur einen Satz davor steht.

Familie als Kernzelle der Gesellschaft – das ist etwas, was heute immer mehr aufgelöst wird. Der Onkel oder die Oma, die mit im Haus wohnt, all das wird seltener. Die Kontakte zwischen Generationen ebenfalls. Die Jugend lacht über die seltsamen Alten, die Alten wollen von der Welt der heutigen Jugendlichen nichts wissen. Gut, dass es die Gemeinde gibt! Hier sehen wir uns Woche für Woche, hier lernen wir, miteinander auszukommen, ja, sogar voneinander zu profitieren, von der Frische der Jugend genauso wie von der Erfahrung der Alten. Schön, wenn auch beides seinen Platz hat – und nicht jemand stöhnt, wenn heute Jugendliche die Lieder ausgesucht haben, und nicht jemand die Augen verdreht, wenn jemand von den Älteren zum wiederholten Male im Gebet für das Gleiche dankt.

Im Neuen Testament ruft auch Paulus die Generationen zur Liebe füreinander auf: Ehrt Vater und Mutter, aber auf der anderen Seite reizt eure Kinder nicht zum Zorn (vgl. Eph 6,2+4).

In der Gemeinde haben wir ein gutes Übungsfeld. Denn „daran wird die Welt erkennen, dass wir Jesu Jünger sind, wenn wir Liebe untereinander haben.“ (Joh 13,35)

Thomas Schulze

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