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Angedacht

Monatsspruch für November 2019

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Micha Kapitel 6, Vers 8

Liebe Leser,

dieses Bibelwort ist der Wochenspruch für die 1. Novemberwoche. Der Vers aus dem Buch Micha ist in seinem ursprünglichen Textzusammenhang eine Antwort, die der Prophet in Gottes Namen dem Volk Israel gibt. Die Frage zu dieser Antwort findet sich kurz vorher im Text: Womit soll ich mich dem Herrn nahen, mich beugen vor dem hohen Gott? (Micha 6,6). Mit dieser furchtsamen Frage reagiert das Volk auf die Unheilsankündigung des Propheten. Denn Micha hat das Volk offen und schonungslos mit seiner Schuld konfrontiert. Der Tempelgottesdienst ist zu einem heuchlerischen und sinnlosen Kult verkommen. Vollends entwertet wird er durch die ungerechten sozialen Verhältnisse: Die reiche Oberschicht beutet die kleinen Leute aus; viele Menschen in einfachen Verhältnissen werden in Armut und Leibeigenschaft getrieben. Damit verstoßen die Mächtigen gegen das Gesetz Gottes, das doch gerade den Schutz für die Armen gewährleisten soll. Das stellt Micha dem Volk unerbittlich vor Augen. Und ebenso unerbittlich kündigt er das Gericht Gottes an: die Zerstörung der Hauptstadt Jerusalem und des Tempels, die Deportation des Volkes ins babylonische Exil. Da ist es verständlich, dass das Volk ängstlich fragt: „Wie können wir Gott gnädig stimmen? Wir bringen ihm doch die vorgeschriebenen Opfer das. Was sollen wir denn noch tun?“

Der Prophet Micha lenkt den Blick des Volkes – und vor allem der Machthaber – gezielt auf das Gesetz Gottes. Denn dort steht nicht der Opferkult im Vordergrund, sondern der gerechte Umgang miteinander. Wer seinen Mitmenschen unfair, unbarmherzig und respektlos behandelt, der kann das auch durch die schönsten Gottesdienste und großzügige Opfer nicht wiedergutmachen. So gibt Gott durch Micha dem Volk eine klare Antwort: Ihr wisst doch, was gut ist, wie ihr leben sollt, was der Herr von euch möchte: Gottes Wort halten – gerecht und fair miteinander umgehen, Liebe üben – das Wohl des Mitmenschen im Blick haben, hilfsbereit und barmherzig mit ihm umgehen, demütig sein vor deinem Gott (wörtlich: „bereitwillig mitgehen mit deinem Gott“) – Gottes Wort als Maßstab für euer Leben annehmen, nach dem Willen Gottes suchen und fragen und danach auch handeln.“

Wir leben hier und heute in ganz anderen politischen und sozialen Verhältnissen. Aber das alte Prophetenwort ermutigt und ermahnt uns auch hier und heute noch, nach Gottes Willen zu fragen. Wie gut, dass wir das nicht mehr aus Angst vor Gott und seinem Gericht tun müssen! Denn Jesus Christus hat uns mit Gott dem Vater versöhnt. Einmal wird jeder Mensch vor Gott Rechenschaft für sein Leben ablegen. Aber wir dürfen wissen, dass wir in diesem Gericht nicht verurteilt werden. Denn wir sind durch das Sterben und die Auferstehung Jesu schon freigesprochen. Wenn wir also nach dem Willen Gottes für unser Leben und unser Handeln fragen, dann tun wir das nicht aus Angst, sondern aus Liebe. Unser Leben soll eine Antwort auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit sein. Dabei kann uns der Wochenspruch zu einer knappen, aber treffenden Richtlinie werden. So sollen wir leben: Gottes Wort halten, Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Das wissen wir ja eigentlich, es ist uns schon längst gesagt. Umso mehr dürfen wir unseren Vater im Himmel immer wieder bitten, uns zu zeigen, wie ein solcher Lebensstil für uns hier und heute konkret werden kann, welchem Menschen wir ein Nächster sein sollen, wer unsere Hilfe gerade jetzt nötig hat. Und wir dürfen uns immer wieder nach Gottes Willen für uns ausrichten und ihm unseren ganzen Lebensweg anvertrauen. Denn er hat gute Gedanken über uns, und er will uns seine guten Wege führen. Lassen wir uns von ihm leiten an jedem neuen Tag!

Henning Worreschk

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