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Angedacht

Monatsspruch für Oktober 2019

Wo du kanst, da hilf den Bedürftigen. Hast du viel, so gib reichlich; hast du wenig, so gib das Wenige von Herzen.

Tobias Kapitel 4, Vers 8

Liebe Leser,

ich musste erstmal suchen, um den Monatsspruch zu finden. In meiner Hoffnung für alle war er nämlich gar nicht enthalten. Aber da war ja auch noch die alte Bibel meiner Mutter, die offensichtlich doch umfangreicher ist.

Der Monatsspruch stammt aus einem Kapitel, in dem dieser Tobias, ein gottesfürchtiger Israelit, seinem Sohn aufträgt, wie er sich nach seinem Tod verhalten soll. In unserer heutigen Zeit ist es nicht mehr wirklich „in“ sich von den Alten sagen zu lassen, was man tun oder lassen soll. Ich persönlich glaube, dass dadurch ganz viel verloren geht. Sich an der über viele Jahr erworbenen Lebensweisheit der Eltern zu orientieren und aus ihr zu lernen, kann nicht falsch sein. Auch wenn es völlig klar ist, dass jeder daraus für sich die seiner Zeit entsprechenden Schlüsse ziehen muss und mir ebenso klar ist, dass sich die Zeit weiter entwickelt. In dem Kapitel, dem der Monatsspruch entstammt, stehen jetzt also solche Lebensweisheiten. Und wir können uns fragen, inwieweit uns dies auch heute, mehr als 2.000 Jahre später eigentlich überhaupt noch betrifft. Dies muss jeder für sich selbst entscheiden.

Neben dem Monatsspruch geht es auch um sehr praktische Anweisungen. Der Sohn soll sich um seine Mutter kümmern und er soll einen Schuldschein eintreiben. Daneben geht es aber eben vorwiegend um das Verhältnis des Sohnes zu Gott und seinen Mitmenschen. Wo du kannst, hilf den Bedürftigen! Ja, das kennen wir. Eine Aufforderung, die sich in der einen oder anderen Form durch die gesamte Bibel zieht. Denn nichts anderes ist ja auch die Aufforderung zur Nächstenliebe im Neuen Testament. Das wissen wir und sind uns dieser Aufforderung durchaus bewusst.

Dennoch fällt es uns immer wieder schwer, dem nachzukommen. Mir persönlich geht es oft in Hamburg so, dass ich mich schwer tue, ob ich den zahlreichen Bettlern in der Stadt etwas geben soll oder nicht. Zumal ich durch meine Tätigkeit in der Bank auch mitbekomme, wie das Geld mehrmals in der Woche getauscht wird. Ich habe dann oft das Gefühl, dass es sich mehr um eine professionelle Bettel-Maschinerie handelt, als dass man der einzelnen Frau oder dem einzelnen Mann etwas Gutes tun würde.

Dann aber denke ich auch wieder, wie kann ich überhaupt beurteilen wer bedürftig ist oder nicht. Und wie kann ich Bedürftige gegebenenfalls in ein Ranking einordnen hinsichtlich ihrer Bedürftigkeit. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns in dieser Hinsicht von Gott leiten lassen können, der uns zur rechten Zeit das richtige Gefühl dafür gibt, wo wir helfen sollen.

So ähnlich die Aufforderung des Tobias der Aufforderung zur Nächstenliebe im Neuen Testament scheint, so gibt es doch einen großen Unterschied. Dieser liegt vor allem darin, dass Tobias zwischen den gegebenen Almosen und der Vergebung der Sünden eine direkte Beziehung sieht. Diese Beziehung sehen wir heute so nicht mehr. Und das ist doch auch gut so. Wir sollten eben nicht mit dem ständigen Hintergedanken etwas abgeben, dass wir uns damit „freikaufen“ könnten, sondern weil wir dem Nächsten etwas Gutes tun möchten. Dann ist es auch keine Pflichtaufgabe, sondern es ist tatsächlich Freude damit verbunden.

Ich wünsche euch allen einen gesegneten Oktober.

Liebe Grüße

Matthias

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